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Was bei anderen Eltern im Umgang mit den Sprösslingen gut oder nicht so gut läuft, wird von Außenstehenden gern kommentiert oder kritisiert. Wer Kinder hat, bekommt ständig gute Ratschläge, die sich oft genug widersprechen. Der eine findet die Erziehung zu lasch, der andere meint, die Eltern sind zu streng, wieder andere legen großen Wert auf frühe Selbstständigkeit der Kinder und auch das Gegenteil, die ewig behütenden Eltern - sie alle sind von Kritik und guten Ratschlägen betroffen. Hilfreich ist das selten, da die Ratgebenden oft in einer völlig anderen Lebenssituation stecken, und die Tipps mehr theoretischer Natur sind, denn aus Erfahrung gewonnen.

Manch Elternpaar, das sich in romantischer Schwärmerei der Illusion hingegeben hat, dass Erziehung im Grunde ganz einfach ist, wenn man nur mit Liebe und viel Zuwendung arbeitet, musste schon sehr bald feststellen, dass diese Eigenschaften zwar ein Standbein der Erziehung sind, aber längst nicht alles. Hat man vielleicht in jungen Jahren noch gedacht, ach, ich werde meine Kinder ganz anders erziehen, als meine Eltern mich und werde viele Fehler, die ich jetzt bei anderen sehe, ganz bestimmt nicht machen - so findet man sich im „Ernstfall“ plötzlich in Situationen wieder, an die man im Traum nicht gedacht hat.

Und das fängt gleich am Anfang an. Was macht man mit Babys, die ständig schreien? Man kann sie nicht fragen, ob etwas weh tut, man kann ihnen auch nicht erklären, dass man selbst seinen Nachtschlaf dringend braucht. Man kann ihnen noch nicht einmal etwas Schönes versprechen, um mithilfe einer kleinen Bestechung, in Form von Belohnung, sie zu einem anderen Verhalten zu bewegen. Auf verzweifelte Hilferufe an Freunde und Verwandte bekommen die entnervten Eltern die unterschiedlichsten Tipps: Von „einfach schreien lassen“ bis „herumtragen“, „im Auto kutschieren“ oder grundsätzlich mit „im Elternbett schlafen lassen“, ist alles dabei. Junge Eltern, die mit derartigen Problemen nicht gerechnet haben, werden guten Willens, alle diese Tipps und Ratschläge zu beherzigen und abwechselnd verschiedene Taktiken anwenden. Schnell aber stellen sie fest: Nichts von den vorgeschlagenen Hilfen funktioniert bei unserem Kind. Enttäuschung macht sich breit. Sensible Gemüter fangen an, an ihren Fähigkeiten als Mutter oder Vater zu zweifeln, manch einer vermutet gar, mit dem Kind sei etwas nicht in Ordnung.

Gewalt ist immer Tabu


Gewalt in jeder Form ist in der Erziehung absolutes Tabu. Darüber muss man sich im Klaren sein. Was nicht bedeutet, dass es im Zusammenleben mit Kindern, durch aus immer einmal wieder Situationen gibt, die die Eltern an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit bringen. Dennoch gilt auch in einer Situation, wo Eltern spüren, dass sie die Kontrolle über ihre eigenen Gefühle verlieren: Keine Gewalt. Beim geringsten Anflug von Aggression seinem Kind gegenüber, gibt es nur eine richtige Reaktion: Man zieht sich sofort aus der Situation raus. Das geht, indem man das Kind seinem Partner anvertraut, der Oma, dem Opa oder der Freundin. Geht das nicht, weil man vielleicht allein mit dem Kind zu Hause ist, dann verlässt man umgehend den Raum, um sich an einem ruhigen Ort (das kann auch das Bad, der Keller, das Treppenhaus oder der Garten sein) zu beruhigen. Vorher aber bitte vergewissern, dass das Kind für diese paar Minuten nicht in Gefahr geraten kann (z.B. in der Küche, an der Treppe ...). Dieser Grundsatz der Gewaltlosigkeit hat oberste Priorität, allen sonst sehr unterschiedlichen Erziehungsstilen gegenüber.

Dabei ist es gar nicht schwer, wenn man sich im Vorfeld Gedanken macht, welchen Erziehungsstil man grundsätzlich mit dem Kind leben will. Stellen Sie sich einige einfache Fragen: Welche Werte will ich meinem Kind mit auf den Weg geben? Welche Verhaltensweisen wünsche ich mir von meinen Kindern, wenn sie einmal erwachsen sind? Auch wenn diese Zeit am Anfang noch ganz weit fort zu liegen scheint, so legen Eltern doch die wichtigsten Verhaltensweisen einem Menschen in die Wiege. Gehen sie verständnisvoll und ruhig mit ihrem Kind um, wird sich dieses Verhalten in den ersten Lebensjahren als ein angenehmes Verhaltensmuster ins Unterbewusstsein einnisten. Denn alles, was einem Menschen in den ersten drei Lebensjahren widerfährt, prägt ihn und sein Verhalten für die Zukunft. Und zwar sein unbewusstes Verhalten. Bewusstes Verhalten wird erst später gelernt und kann bei Bedarf später noch umtrainiert werden. Das ist mit den Prägungen der ersten Jahre nur schwer - wenn überhaupt möglich.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich Gedanken über die Erziehung Ihres Kindes machen, bevor es auf der Welt. Sprechen Sie mit Ihrem Partner / Partnerin über die Art und Weise, wie sie gemeinsam das Kind erziehen wollen. Sprechen Sie auch darüber, ob sie eine feste Aufgabenteilung vorziehen, oder ob beide Elternteile gleichviele Pflichten und Freuden teilen wollen. Fabulieren Sie auch und denken Sie sich Situationen aus, die Sie vielleicht bei anderen erlebt haben und prüfen Sie, ob Sie ähnlich auf diese Situation reagieren würden, bei Ihrem eigenen Kind.

Stehen Sie zu Ihren Entscheidungen


Ein weiteres Standbein, um seinem Kind eine gute Erziehung angedeihen zu lassen, ist, dass Sie ihm Sicherheit im Leben mit auf den Weg geben. Sicherheit und Vertrauen in Ihre Kompetenz, in Ihre Fähigkeiten und vor allem: Sicherheit in Ihre Entscheidungen. Das bedeutet konkret: Streiten Sie niemals mit Ihrem Partner im Beisein des Kindes über seine Erziehung. Geben Sie Ihrem Kind niemals das Gefühl, dass die Eltern sich nicht einig sind, wenn es um sein Wohlergehen geht. Besprechen Sie unterschiedliche Ansichten später unter vier Augen, finden Sie Kompromisse, die beide Meinungen berücksichtigen. Ein Kind hat es sehr schnell raus, wenn es merkt, das Vater und Mutter in bestimmten Situationen gegensätzlich entscheiden. Kinder sind clever und kennen ihre Eltern viel besser, als Eltern jemals ihre Kinder kennen werden. Vor allem durchschauen Kinder bestimmte Verhaltensmuster von Eltern blitzschnell und haben das Talent diese konsequent zu ihrem Vorteil auszunutzen. Das ist gut so und das soll so sein, nicht, dass der Eindruck entsteht, Kinder seien kleine hinterhältige Racker, die ihre Eltern bewusst austricksen. Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto mehr ist es auf derartige Fähigkeiten angewiesen.

Gerade hier können sie von ihrem Kind eine Menge lernen, egal ob es eine Woche oder drei Jahre alt ist. Je kleiner so ein Menschlein ist, desto konsequenter und hartnäckiger setzt es sich ein, für das, was ihm wichtig ist. Beim Baby ist das die regelmäßige Nahrung, die Zuwendung und das Spielen. Was tut es? Es schreit! Und es hört nicht auf zu schreien, bis es das bekommen hat, was es braucht und will. Und zwar konsequent und kompromisslos.

Konsequenz erleichtert die Erziehung

Eine Eigenschaft die Eltern oft fehlt, und durch die viel Stress und Tränen auf beiden Seiten vermeidbar wäre, ist genau diese Konsequenz, die unsere Kinder uns voraus haben, wenn sie etwas durchsetzen wollen. Eltern haben aber ebenso Erwartungen an ihre Kinder. Einfaches Beispiel: Die Schuhe ausziehen, bevor die Kinder vom Spielen ins Haus laufen. Damit dies funktioniert, muss ein kleines Verhaltenstraining in die Erziehung eingebaut werden. Man erklärt dem Kind, wieso es das tun soll und sagt ihm, dass es von da an, dafür verantwortlich ist, dass es diese Regel einhält. Natürlich wird ihr Kind im Spieleifer zunächst diese Regel einige Male vergessen und strahlend mit nassen oder schmutzigen Schuhen ins Haus stiefeln. Jetzt liegt es an Ihnen. Seien Sie konsequent. Schimpfen Sie nicht. Schicken Sie ihr Kind nur zurück zur Tür und lassen sie es die Schuhe ausziehen. Und zwar noch bevor es von seinen tollen Erlebnissen erzählen darf. Passiert das einige Male hintereinander, ohne, dass Sie auch nur ein einziges Mal sagen „Naja, heute ist es nicht so wichtig, weil...“, dann können Sie sicher sein, dass Ihr Kind sich sehr schnell angewöhnt, die Schuhe an der Tür stehen zu lassen, weil es einfach keine Lust hat, jedes Mal zurückgeschickt zu werden. Diese Konsequenz, die Sie anwenden müssen, wenn Sie Ihr Kind erziehen wollen, ohne immer und immer wieder in die Falle zu tappen, müssen Sie sich zulegen. Und zwar ohne Drohungen und Strafen. Einfach, indem Sie darauf bestehen, dass ihre Regel eingehalten wird.

Flexibel bleiben im Umgang mit Problemen

Natürlich heißt das nicht, dass ihr Kind widerspruchslos sämtliche Regeln befolgen muss, die Sie aufstellen. Das wäre fatal, denn dann würde es schlimmstenfalls zu einem kleinen Befehlsempfänger heranwachsen, der kritiklos, jeder Anweisung Folge leistet. Geben Sie Ihrem Kind auch Gelegenheit, selbst Regeln aufzustellen oder einige gemeinsam mit Ihnen zu erarbeiten. Kinder haben ein recht gutes Gerechtigkeitsgefühl, sodass Sie nicht befürchten müssen, dass Ihre Bedürfnisse dabei unberücksichtigt bleiben. Diskutieren Sie ruhig einige Regeln und halten Sie nicht alles zu streng. Lediglich die Regeln, in denen es um die Sicherheit Ihres Kindes geht, sollten Sie kompromisslos einfordern. Aufgaben oder Vereinbarungen die den reibungslosen Tagesablauf sicher, können durchaus in Abständen überprüft und angepasst werden. Ihr Kind sollte erfahren, dass Regeln das Leben sicherer und bequemer machen können. Regeln, die keinerlei positiven Effekt für ein Kind haben, sollten aus dem Programm gestrichen werden.

Sie sehen schon, es gibt keine Gebrauchsanleitung für die Erziehung eines Kindes. Jedes Kind ist eine Persönlichkeit, genau wie seine Eltern. Eine kleine Gemeinschaft mit unterschiedlichen Bedürfnissen, die sich immer wieder mit Liebe und offenen Ohren zusammensetzen muss, um für sich die „richtige“ Art, miteinander umzugehen zu lernen.

Sind sich die Eltern einig über die Kindererziehung, ist das eine große Erleichterung für Eltern und Kind. Verunsicherte Eltern, die immer wieder ihre Strategie ändern oder zu oft inkonsequentes Verhalten zeigen, verunsichern nur. Wundern Sie sich nicht, wenn ihr Kind dadurch aufsässiger wird. Es Kind teil Ihnen nur mit: „Wenn Ihr schon nicht wisst, was für mich gut ist, woher soll ich es denn wissen?“ Und testet notgedrungen sämtliche Taktiken aus, um Sie in eine Position zu bringen, in der sie „Farbe bekennen“ müssen und eine klare Aussage machen.

Antiautoritäre Erziehung war eine Erscheinung der 68er Jahre. Sie war wichtig, denn viele unsinnige Regeln und Zwänge pressten vorher Kinder in eine Form, um sie gängelbar zu machen. Kreativität, Lebensfreude und vor allem die Fähigkeit zum selbstverantwortlichen Handeln bleiben in einer streng autoritären Erziehung auf der Strecke. Während umgekehrt, bei der antiautoritären Erziehung, die Kinder gezwungen sind, mühsam nach Grenzen zu suchen, an denen sie sich orientieren können. Die goldene Mitte ist auch hier der empfehlenswerte Weg.

Bei der Erziehung eines Kindes tut man gut daran, sich auf sein eigenes Gefühl zu verlassen, dem Kind Raum zu geben, sich entwickeln und entfalten zu können, aber ihm auch zu zeigen, wo Grenzen sind, die man als Eltern nicht überschritten sehen möchte. Ändern Sie nicht ständig Erziehungsmaßstäbe. Sie dürfen im Übrigen auch hin und wieder Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen.
Ein Kind zu erziehen, gehört leider nicht zur schulischen Ausbildung. Eltern sind mit dieser Aufgabe im Grunde allein. Sie allein tragen die Verantwortung für ihr Kind und sollten sich deshalb auch nicht von außen zu sehr beeinflussen lassen. Auch wenn die Großeltern andere Maßstäbe haben, sagen sie ihnen freundlich aber bestimmt, dass Sie ihre eigene Vorstellung von Kindererziehung haben. Die Gesellschaft verändert sich und mit ihr auch die Erziehungsziele. Für die Großeltern war es ein erstrebenswertes Ziel, Kinder zu gehorsamen, und pflichtbewussten Menschen zu erziehen. Heute sehen die anzustrebenden Werte anders aus. Globales Denken sowie die Fähigkeit kritisch und selbstverantwortlich handeln zu können, sind in Zukunft weitaus wichtiger für das Überleben, als es noch vor 60 bis 70 Jahren war.

Erziehung bedeutet, dass man einen Menschen auf seinem Weg in ein eigenständiges Leben begleitet. Wer sich das immer wieder ins Gedächtnis ruft, wird sicherlich auch für sein Kind den besten Erziehungsstil finden.